So viel Spaß muss sein: Kölsch-typisch "dekoriert" ist Hans Lauber bei seinem Training an Weiberfasnacht im Fitness-Studio
Es gibt Vorurteile, die sind unausrottbar: "Fitness-Studios sind Muckibuden", ist so eines. Immer noch sehen mich viele schräg an, wenn ich erzähle, dass ich jetzt regelmäßig im Studio trainiere. "Auch du jetzt in der Muckibude", heißt es dann. Offensichtlich hat sich das Bild von stolz geschwellten Kraftprotzen tief eingegraben, die ihre Muskeln gerne auch noch mit diversen Mittelchen "aufgepäppelt" haben.
Doch das hat nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun. Längst gehören die Studios allen, den Jungen, den Älteren, den Männern, den Frauen – in "meinem" Studio habe ich sogar verschleierte Türkinnen gesehen, die in speziellen, den Frauen vorbehaltenen Räumen trainieren können.
Vom Frührentner bis zum Manager – die Klientel ist bunt gemischt
"Mahlzeit", rief neulich um die Mittagszeit ein fröhlicher Frührentner – da wusste ich, die Studios sind etwas ganz Normales geworden. Da trainiert der Manager aus einem umliegenden Büro. Da sind auch viele Ältere, die bewusst etwas für ihre Gesundheit tun – und die sich oft einen persönlichen Trainer nehmen, um ihr Fitnessprogramm ganz gezielt zu gestalten.
Da ist aber auch die Busfahrerin der örtlichen Verkehrsbetriebe, die ganz "heiß" auf das Studio ist: "Dafür lasse ich alles stehen, ich brauche das, um von dem ganzen Stress runterzukommen", verrät mir die Kölnerin. "Von mir aus könnten die 24 Stunden aufhaben, damit ich die Termine mit meinem Schichtdienst besser vereinbaren kann". Wird sicher noch kommen.
Ein Raum fasziniert mich ganz besonders, der "Kraftraum". Den gibt es tatsächlich noch. Er ist schwarz ausgeschlagen – und da stehen die Geräte mit den typischen Hanteln, welche ausnehmend gut trainierte Männer stöhnend stemmen. So ganz klammheimlich schaue ich immer mal rein – und vielleicht runde ich mein Training da mal ab, so ein paar vorzeigbare "Muckis" wären ja doch nicht schlecht. Aber bis es soweit ist, muss ich noch hart arbeiten. Weil ich an der Nordsee einen schweren Glatteissturz mit Prellungen hatte, musste ich das Training ein paar Tage aussetzen – und schon muss ich wieder richtig schwitzen, um mein Programm zu schaffen.
Wer mag, trainiert auch an Karnevalstagen
Dass die Studios etwas Normales geworden sind, zeigt sich auch daran, dass an einem sonst heiligen Kölner Tag offen ist: An Weiberfasnacht, wo praktisch nachmittags alles geschlossen ist. Sogar der meistbesuchte Ort der Stadt, welcher nicht der Dom ist, sondern das Schokoladenmuseum, das sonst täglich von Besucher Massen gestürmt wird, die sich dort den süßen Genüssen hingeben.
Wohingegen die Studiobesucher fit leben, wie der "Mahlzeit"-Rentner laut erzählt: "Früher haben wir nach dem Fußball immer unser lecker Bierchen getrunken – und heute? Da gibt's einen gesunden Shake".
Ob ich so standhaft sein werde, heute an Karneval? Oder in den kölschen Modus verfalle nach dem Motto "Erst fitten, dann fiere"?
Hans Lauber / www.diabetes-ratgeber.net;
17.02.2012
Bildnachweis: Hans Lauber
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